Berlin Pavilon at Expo 2000 in Hannover, Germany
In Praise of the Void
Nikolaus Knebel, Alexander Moers, Stefan Rethfeld, Dominik Schwarzer
mit Frank Hülsbömer (2000)
European Architecture Photography Award 2003 (honorable mention)
published in
- Dechau, W. (Hrsg.): db architekturbild Europäischer Architekturfotografie-Preis 2003, (2003), p. 38-43, ISBN 3-421-03468-0
- Süddeutsche Zeitung, 23.08.01, Richter, Peter: Nicht alle Schlauen Bauen, S. 16
- Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.00, Wagner, David: Das soll Berlin sein?, S. BS1

Die leeren Räume in der Stadt sind Teil der Geschichte Berlins. Monarchie, Demokratie, Faschismus, Sozialismus und Kapitalismus haben in kurzer Abfolge jeweils angefangene und unvollendete Gesamtentwürfe für die Stadt hinterlassen. Auf diese Weise hat sich ein merkwürdiger Stadtraum gebildet, in dem die Leere das Charakteristische geworden ist. Bei der Anfrage des Senats, die Hauptstadt des gastgebenden Landes auf der Weltausstellung zu präsentieren, entschieden wir uns daher, die Schönheit und das Potential dieser leeren, unbestimmten Räume zu zeigen. Denn in den nicht durch eine Definition überformten Freiräumen der Stadt entsteht das Experimentelle und Temporäre der Berliner Kultur. Der Berlin-Pavillon auf der Expo formuliert ein Lob der Leere.

Der Pavillon besteht aus zwei Elementen. Ein kleine, geschlossene Box aus schwarzem Holz zeigt die neuen Bauten in Berlin in einer Video-Präsentation des Senats. Ein zweiter, von der Decke abgehängter Quader aus weißem Stoff zeigt unseren Blick auf Berlin. Auf die Seitenwände des Stoffraums sind großformatige Bilder gedruckt, die ungewöhnliche Formationen von leeren Wänden und den dahinter versteckten Berliner Monumenten zeigen.

Der Pavillon kann wie ein Zelt über Nacht aufgebaut werden und spannt einen 100 qm großen Raum aus dünnem, weißen Stoff auf. Nur in der Mitte des großen, hell erleuchteten Quaders kann man Sitzen, der Rest ist unbetretbar und leer. Durch die leichte Membran des Textils dringen zwar die Geräusche der Umgebung hinein, man kann aber nicht hinaussehen. Im Bildermeer der Expo bietet der leichte, leere Raum des Berlin-Pavillons einen Ort zum Verweilen.



